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Magnetisch oder bedürftig in Beziehungen

Fatale Verwechslung

Endlich Geborgenheit spüren. Ich erinnere mich noch genau an die Zeit, als ich meinen ersten Mann kennen gelernt hatte. Jeden Abend schliefen wir eng umschlungen ein und ich wünschte mir nichts sehnlichster, als möge das ewig so bleiben.

Das war zu einer Zeit, in der mein Inneres Kind noch im hintersten Winkel versteckt war. Ich kannte es nicht, ja ich wusste nicht einmal, dass es existiert.

Und noch weniger wusste ich, dass es meine Innere Kleine ist, die sich so sehr danach sehnt, in den Arm genommen zu werden, gehalten zu sein. In meinem Elternhaus waren Umarmungen unbekannt. Das war nur etwas für empfindsame Menschen und zu denen gehörte meine Herkunftsfamilie nicht. Nur die Harten kommen durch, war unser Leitspruch.

Einfach aufstehen und gehen

Eine meiner Coaching-Klientinnen, nennen wir sie Maria, wurde schon als Kleinkind vom Vater mit ins Gasthaus genommen. Sie sah zu, wie der Vater mit den anderen Männern Alkohol trank und die Situation wurde für sie im Laufe der Stunden immer unangenehmer. Maria wollte nach Hause, doch sie war zu klein, der Weg war zu weit und so harrte sie aus, bis der Vater mit ihr endlich heim fuhr.

Maria war in einer Liebesbeziehung gefangen, die sie beenden wollte. „Es tut mir nicht gut, und ich komm da nicht raus“. Eines Tages kam Maria in die Stunde und erzählte, wie sie mitten in der Nacht aufstand und ging. Sie hatte ihren Liebhaber gebeten, sie nach Hause zu bringen, der wollte nicht hinaus in die Kälte, vertröstete sie auf den Morgen. Die Szene war Maria allzu gut vertraut.

An jenem Abend war es anders. Sie sah plötzlich das Kleine Mädchen, das erstarrt dasitzt und wartet, bis der Vater nach Hause fährt. Durch die Innere Kind Arbeit ist es ihr gelungen sich aus der Erstarrung zu lösen. „Ich bin eine erwachsene Frau, ich kann aufstehen und gehen“.

Er liest mir jeden Wunsch von den Augen ab

Ach wie schön. So romantisch. Aber leider nur im Film. Im alltäglichen Beziehungsleben wird das nicht lange gut gehen. Das Kleinkind, das noch keine Sprache hatte, war darauf angewiesen, dass die Eltern oder die Betreuungsperson die Bedürfnisse des Kleinen errät. Sein Überleben hing davon ab, dass es andere versorgen und vor Gefahren beschützen.

Solange wir nicht erkennen, dass das Innere Kind aktiv ist, werden wir die Bedürftigkeit an den Partner projizieren, mit „du machst nie, was ich will“ und ähnlichen Vorwürfen oder Nörgeleien. Eine Spirale der Unzufriedenheit entsteht.

Doch im Baumarkt können wir keine Milch kaufen – darüber haben meine Kollegin Laya und ich im grow-talk im November schon gesprochen.

Emotional unabhängig oder bedürftig

Wie ist es, wenn jemand dich um eine Umarmung bittet? Ein Bedürfnis nach Umarmung – das kann von der Erwachsenen oder vom Inneren Kind kommen, oder von beiden.

Als Erwachsene bin ich nicht abhängig. Eine Bitte kann erfüllt werden oder nicht. Als Erwachsene habe ich auch andere Möglichkeiten. Es gibt Alternativen. Es gibt andere Menschen, die ich bitten kann.

Eine Bedürftigkeit setzt das Gegenüber unter Druck. Bringt ihn in Bedrängnis da er etwas erfüllen soll, das nicht in seiner Macht steht. Oftmals kommen die Bedürfnisse eines Inneren Kindes beim Gegenüber auch nicht auf der Erwachsenenebene an, sondern triggern dort einen bedürftigen kindlichen Anteil. Zwei Innere Kinder unter sich. Die Reaktion: Vorwürfe, Ärger oder Aggression, Ablenkung, Beschwichtigung, Zurechtweisung – die gesamte Palette, je nach dem, welchen Kommunikationsstil das Paar miteinander pflegt.

Du, ich bräuchte jetzt eine Umarmung

Als emotional Unabhängige hast du deinen Handlungsmacht zurückerobert. Du erkennst deine Bedürfnisse und kannst sie artikulieren. Die Bitte um Unterstützung erreicht dein Gegenüber auf Augenhöhe.

Ein Partner kann nur die Erwachsene umarmen, die Erwachsene gibt’s ans Innere Kind weiter.

Im Artikel „Mach doch kein Theater“ findest du Hinweise, wie du erkennen kannst, dass dein Inneres Kind aktiviert wurde.

Meine geführten Reisen helfen dir, in liebevollen Kontakt mit dir und deinem Inneren Kind zu kommen.

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