Oder ein Tag ohne Handy – als wertvolles Experiment
Geschenke, die nichts kosten, sind nicht billig.
Mein Mann hatte solch einen Geburtstagswunsch: Er wünschte sich einen Tag nur mit mir.
Zugegeben, ich war etwas verblüfft, denn wir leben ja nur zu zweit und haben viel gemeinsame Zeit.
Dann folgte die Präzisierung des Wunsches: Keine Arbeit. Kein Computer. Keine Telefonate. Kein Handy. Damit garantiert keine der Top 10 Handy-Unsitten Platz hat.
Aufmerksamkeitsdefizit
Ist es so, dass ich so oft am Handy bin? Ich habe mich aus den sozialen Medien doch ohnehin schon zurückgezogen.
Ich nehme das zum Anlass, um mich selbst zu beobachten und bin verblüfft:
„Ohne meinem Handy sage ich gar nichts.“
Wann gehst du morgen aus dem Haus?
Ich zücke mein Handy, denn ich will wissen, ob es morgen regnet oder nicht.
Bevor ich die Wetter App starten kann, bemerke ich diese roten Ziffern auf den Messenger-Icons am Bildschirm. Natürlich muss ich die neuen Nachrichten sofort lesen. Es könnte ja sein, dass sich jemand zum Aufstellungstag anmelden will oder eine Frage dazu hat.
So ein lustiges Foto in den Statusmeldungen. Da muss ich gleich zurückschreiben.
E-Mails sind auch gekommen, die schau ich natürlich auch gleich an.
Eine halbe Stunde später: Und? Wann gehst du morgen aus dem Haus?
Ach ja, ich wollte wissen, wie das Wetter ist. Warte ich schau gleich nach.
Es stimmt: Sehr oft, wenn ich das Telefon zur Hand nehme, wird meine Aufmerksamkeit umgeleitet.
Das Handyfrei-Experiment
Diese Woche war es dann so weit, unser handyfreier Tag. Es sollte auch ein Tag ohne Arbeit und ohne Geschirr und so weiter sein. Das Telefon wurde am Vorabend ausgeschaltet und durfte nicht angerührt werden, so die Vereinbarung.
Wir verlassen das Haus und warten einige Minuten, bis der Bus kommt. Normalerweise schauen wir in die App und hetzen auf die Minute genau zur Haltestelle, nicht selten im Laufschritt.
Das Lokal, in dem wir essen wollten, ist geschlossen. Online wären die Öffnungszeiten ersichtlich gewesen. Und die elektronische Hilfe steht uns für „Frühstückslokal in Linz, heute geöffnet“ nicht zur Verfügung.
Also gehen wir der „Nase nach“ wie man früher so schön sagte.
In der Süße des Nichtstuns keimen Urlaubspläne. Die Recherche nach einem günstigen Angebot muss vertagt werden 😂.
In einer Zeitschrift finde ich einen Bericht zu einer Theaterproduktion. Für Info zu den Terminen bitte den QR-Code scannen 🙈. Geht heute leider nicht.
So wie früher
Elektronische Hilfsmittel sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Weder das Schlange stehen vor der einzigen Telefonzelle weit und breit noch das hängen in Warteschleifen, um eine Zugauskunft zu erhalten, vermisse ich.

Im Handumdrehen haben wir Informationen parat, nützliche genauso wie unnötige. Segen und Fluch. Was uns an Zeit geschenkt wird, vergeuden wir auf der anderen Seite mit Belanglosigkeiten.
Am Ende des handyfreien Tages, vor dem Schlafengehen, ließ es mir keine Ruh und ich musste heimlich die Nachrichten checken. Ganz ehrlich: Ich war enttäuscht, dass rein gar nichts dabei war, dessen Beantwortung nicht bis zum Morgen warten konnte.
Wie gehst du mit dem Thema um? Schreib deine Erfahrungen gerne in die Kommentare. Vielleicht gibt es auch einiges, das dich bei anderen nervt? Wie reagierst du dann?
Hier habe ich noch eine Top 10 Unsitten Liste erstellt – damit ich weiß, dass ich je eh harmlos bin 😂.
Die Top 10 Handy-Unsitten
- 🙈 Phubbing – Du sitzt mit jemandem am Tisch, und statt in die Augen wandert der Blick aufs Display.
- 🍽️ Der stille Dritte das Handy liegt demonstrativ zwischen Kaffeetasse und Kuchengabel – wie ein ungeladener Zuhörer
- 🎤 Konzert im Bus – Lautes telefonieren oder Videos ohne Kopfhörer anschauen – Zwangsbeglückung für die anderen Fahrgäste
- 🚶 Zombie-Gang – Mit gesenktem Kopf die Straße überqueren, fast gegen Laternenmasten laufen, oder noch schlimmer, jemanden anrempeln.
- 🌦️ Wetter-Orakel – Mehrmals am Tag die Wetter-App checken, nur um sicherzugehen, dass der Regen auch wirklich Regen bleibt.
- 🚗 Gefährliche Ablenkung – Beim Autofahren Nachrichten lesen oder tippen
- 🌙 Blaulicht vorm Schlafen – Im Bett endlos scrollen, statt abzuschalten.
- 🛋️ Dauer-Sekundenscreen – während einem Film, dem Essen oder einem Gespräch ist die Aufmerksamkeit nebenbei beim Handy.
- 📸 Leben durch die Linse – Alles sofort fotografieren und posten. Im Versuch, den Augenblick festzuhalten, geht gerade dieser verloren.
- ⏳ Reflex-Griff – Jede noch so kleine Pause sofort fürs Handy nutzen und dabei die Aufmerksamkeit für andere verlieren – in der Warteschlange, an der Haltestelle, im Aufzug oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln – da kann jemand mit zwei Krücken einsteigen, nach einen Sitzplatz suchen, Handy-Starrer geht das nichts an.
👉 Fazit: Das Smartphone ist ein großartige Helfer – Aber erinnere dich daran, dass du Chef oder Chefin bist und das Gerät ein Hilfmittel.
Hast du dich ertappt und willst anfangen, dich selbst zu verurteilen? Sei liebevoll mit dir! Es ist gut, dass du die Fähigkeit der Selbstreflexion hast. Mein Workbook „Mein innerer Kritiker und ich“ hilft dir die kritischen Stimmen in dir konstruktiv zu nutzen. Lade es dir gleich herunter: